FRAGEN & ANTWORTEN

Auf welchen Grundlagen basiert optometrisches Visualtraining?

Optometrisches Visualtraining ist systematisch aufgebaut, d.h. es richtet sich genau nach der Entwicklungsreihenfolge des Sehens. Dadurch ist sichergestellt, dass nicht das Hintere vor dem Vorderen oder nur einzelne Prozesse des Sehens geübt werden. Der Erfolg von Visualtraining beruht zu 95% auf der Beachtung der genauen Systematik.
Die Hirnforschung findet immer mehr Hinweise darauf, wie komplex und vernetzt der Sehvorgang ist. Früher nahm man an, dass es nur ein örtlich begrenztes Sehzentrum im Gehirn gibt. Zwischenzeitlich ist bekannt, dass es mindestens 3 bis 4 Bereiche gibt, die gleichzeitig mit den Sehfunktionen zu tun haben. Diese Bereiche arbeiten auf sehr komplizierte Weise miteinander.
Dr. Skeffington erarbeitete bereits in den 20er Jahren ein Modell des Sehvorgangs mit Hilfe von 4 ineinander greifenden Kreisen. Nur wenn alle Kreise den gleichen Anteil (Leistungsfähigkeit) am Sehen haben, entsteht die Vision. Mit Vision ist das eigentliche Sehen gemeint, also das gesamte Bild im Kopf.
Bei der Visuellen Analyse messen wir die Fähigkeiten der einzelnen Kreise. Die mangelnden Fähigkeiten werden dann gezielt trainiert und miteinander verknüpft. Diese Trainingsprozesse funktionieren altersunabhängig. Nur die Schnelligkeit der Änderung ist altersabhängig (je jünger, desto schneller).

Lässt sich eine Kurzsichtigkeit dauerhaft mindern?

Ja, wenn die Kurzsichtigkeit aufgrund einer sich verändernden Augenlinse entsteht. Bei jedem Menschen besteht eine Fehlsichtigkeit aus einem funktionellen Anteil und einem strukturellen Anteil. Der funktionelle Anteil ist derjenige, der Schwankungen unterworfen ist. Dieser Teil ist durch visuelles Training sehr gut beeinflussbar.
Der strukturelle Anteil ist z. B. die Baulänge eines Auges. Hier hat die Funktion bereits das Organ verändert, dann besteht fast keine Möglichkeit, Änderungen an der Struktur durchzuführen. Die Verteilung der Anteile lässt sich durch die Visuelle Analyse feststellen.

Lässt sich die Altersichtigkeit wegtrainieren?

Nein, aber sie lässt sich deutlich hinauszögern und dauerhaft auf einem niedrigeren Stand halten als üblich. Aufgrund des Trainings bleiben die Stoffwechselfunktionen besser intakt und somit bleibt die Augenlinse flexibler. Dadurch ist eine Lesebrille erst um die 50 Jahre statt der üblichen 45 Jahre zu erwarten.
Der zweite Vorteil der flexibleren Augenlinse: Die Stärke der Lesebrille ist niedriger als üblich, dadurch ist die Abhängigkeit von dieser Brille geringer. Bei einer Gleitsichtbrille hat das zusätzlich den Vorteil, dass die Randverzerrungen deutlich geringer sind. Die Brillen sind dann wesentlich komfortabler.

„Sie sehen, viele Sehschwierigkeiten lassen sich mit Hilfe von visuellem Training verbessern. Ganz wichtig bei Sehproblemen ist allerdings, dass keine Augenkrankheiten daran beteiligt sind. Mein Ratschlag: Lassen Sie sich im Zweifelsfall von einem Ophthalmologen (Augenarzt) untersuchen.“
— Josef Thiel
 

Folgende Fragen werden immer wieder von meinen Klienten gestellt.

 

Nach 2 Stunden PC-Arbeit habe ich Augenbeschwerden oder Kopfschmerzen – Augen sind untersucht, Brille vorhanden, aber keine wesentliche Verbesserung. Was soll ich tun?

In solchen Fällen ist meist eine mangelnde Flexibilität der Augen die Ursache. Oft ist die Relation zwischen Scharfeinstellung und Augenbewegung im Ungleichgewicht. Dann werden vom Sehzentrum Höchstleistungen zum Ausgleich dieses Fehlers aufgebracht. Die Quittung sind die beschriebenen Probleme.

 

Mir wurde mit unter 40 Jahren eine Mehrstärkenbrille (Gleitsichtbrille) empfohlen. Ist das notwendig?

Die Ursache ist oft eine schwache oder überlastete Naheinstellfähigkeit. Sie wird meistens von einer Schwäche der Augen-Einwärtsbewegung begleitet. Mit Hilfe einer optimal korrigierten Fernbrille und Visualtraining lässt sich Abhilfe schaffen. Hier wird die Flexibilität der Einzelaugen stufenweise erhöht, dann das Zusammenspiel abgestimmt und zum Schluss die neu erworbenen Fähigkeiten im Sehzentrum integriert. 

 

Meine Büroarbeit strengt mich die Woche über zusehends an – am Wochenende habe ich keine Probleme. Was kann ich tun?

Eine Ursache kann hier eine Schwäche der Einwärtsbewegung (Konvergenz) in Kombination mit einer abweichenden Ruhelage des Augenpaares sein. Die Ruhelage der Augachsen ist normalerweise die Parallelstellung in die Ferne.   Weichen die Achsen z. B. nach außen und in der Höhe leicht ab, so sind die Ausgleichs-möglichkeiten in der Ferne gut (Wochenende), aber in der Nähe sehr schwer(Arbeitstage). Das Sehen in der Nähe wird oft von Kopfschmerzen und gelegentlichen Doppelbildern begleitet und kann in einzelnen Fällen auch zu Übelkeit führen.

 

Meine Winkelfehlsichtigkeit ist mit einer Brille korrigiert. Muss ich das kontrollieren lassen?

Bei einer Prismenbrille ändern sich die Prismen öfters oder sollen reduziert werden. Die Winkelfehlsichtigkeit ist nach Ansicht vieler Funktional-Optometristen eine Fehlsteuerung der Bewegungsmuskulatur eines Augenpaares durch das Sehzentrum. Durch visuelles Training können die Prozesse im Sehzentrum „umprogrammiert“ und dadurch normalisiert werden. Einer Prismenreduzierung kommt zu Gute, dass die Augenmuskulatur ca. 200% überdimensioniert ist und somit große Reserven hat. Mit Hilfe von Visualtraining ist eine Prismenreduktion oder Stabilisierung sehr gut möglich (siehe auch  Menüpunkt „Winkelfehlsichtigkeit“).

Was sind die Ursachen für mein visuelles Problem?

Einige Augenerkrankungen treten in Verbindung mit Krankheitsprozessen oder Medikamenten auf, aber bei Billy haben wir dies ausgeschlossen. Einige visuelle Probleme sind genetisch bedingt, andere sind entwicklungsbedingt und andere sind stressinduziert. Die meisten sind eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen.
 

Warum habe ich noch nie von einem Visualtraining gehört?

Visualtraining ist ein speziales Verfahren. Nicht alle Optometristen sind darin ausgebildet. Klienten werden in der Regel von anderen Fachleuten, die mit VT vertraut sind, oder von anderen Patienten, die mit Menschen in Kontakt treten, die ähnliche Probleme haben, an unserer Praxis verwiesen.

 

Warum hat mein Augenarzt gesagt, dass ein Visualtraining nicht helfen kann?

Leider sind Augenärzte normalerweise nicht in VT ausgebildet. Ich würde keine Meinung zu einem chirurgischen Eingriff wagen, an dem ich nicht geschult wurde, und ich glaube nicht, dass ein Chirurg eine Meinung zu einem Thema abgeben sollte, in dem er oder sie nicht ausgebildet ist. Fortgeschrittene Ophthalmologen verstehen die potentielle Rolle in VT, und wir würden uns freuen, Ihnen eine Liste von Ophthalmologen in unserer Region zu geben, mit denen wir interagiert haben.

 

Was beinhaltet Visualtraining? Was tut es?

Im Visualtraining verwenden wir verschiedene Linsen und Prismen, um Ihnen zu zeigen, wie Sie Ihre Sehen effizienter nutzen können. Wir verwenden Linsen, die Ihnen dabei helfen, genauer hinzusehen, gefolgt von Linsen, die Ihren Fokus entspannen, sodass Sie mehr Flexibilität entwickeln. Das gleiche Konzept funktioniert mit Prismen, die beeinflussen, wo Sie hinschauen. Einige davon sind eine Erweiterung dessen, was ich von Ihnen verlangt habe, um mir zu sagen, wann Dinge verschwimmen oder doppelt erscheinen und wann sie wieder eins werden. Im Visualtraining lernen Sie, diese Dinge besser zu steuern. Wir werden auch einige speziell entwickelte Computerprogramme und polarisierte Brillen verwenden, die fast wie Virtual Reality aussehen, um herauszufinden, wie die beiden Augen am effektivsten verwendet werden können. Für jüngere Kinder versuchen wir, es lustig zu machen. Darüber hinaus geben wir, in der Regel, eine Aktivität für die Heimtherapie mit, um das zu verbessern, was Sie in unserer Praxis lernen. Bei visuellen Wahrnehmungsverzögerungen legen wir die Bedingungen so fest, dass die Grundfertigkeiten beherrscht werden können, wodurch die Entwicklung fortgeschrittener Bereiche, wie z. B. der "visual closure" usw., ermöglicht wird. Mit verbesserten visuellen Fähigkeiten ist ein Kind besser darauf vorbereitet, von den pädagogische Methoden zu profitieren.

 

Können wir das nicht einfach zu Hause machen?

Sie benötigen eine professionelle Anleitung, um zu wissen, welche Aktivitäten in welcher Reihenfolge durchzuführen sind. Sie müssen auch in der Lage sein, bestimmte Techniken zu modifizieren, wenn sie nicht effizient oder effektiv durchgeführt werden können. Wenn Sie VT ausschließlich zu Hause ausführen möchten, ist wie wenn Sie in ein Fitnesscenter gehen und und nicht wissen, welches Gerät Sie zuerst verwenden sollten und wieviele Einheiten Sie anfänglich tun müssen. Wann die Übungseinheiten zu erhöhen sind und in welcher Reihenfolge die Aktivitäten ausgeführt werden sollen und so weiter. Sobald ein Fachmann Sie führt, macht es Sinn, das Gelernte zu verstärken.

 

Gibt es eine Garantie dafür, dass das Visualtraining funktioniert?

Da es sich um menschliche Funktionen handelt, kann kein absoluter Erfolg garantiert werden. Ich kann Ihnen nur sagen, dass Sie aus Ihrem Visualtraining herausbekommen werden, was Sie hineinlegen. Die Klienten, die motiviert sind und ihre Praxisbesuche einhalten, sind in der Regel sehr gut.

Wie lange wird es dauern?

Viele Therapieprogramme können in 20 bis 40 Praxissitzungen durchgeführt werden. In der Regel werden wöchentliche (ca. 1 Stunde) oder 14 tägige Sitzungen durchgeführt. Ich überprüfe Sie nach acht bis zehn Sitzungen (je nach Fall), um den Fortschritt zu dokumentieren und zukünftige Besuche zu planen. Das Heimtraining bietet eine Verstärkung des Erlernten aus der Praxis. Wenn Sie jedoch nicht dazu kommen, sollten Sie Ihre Praxistermine trotzdem einhalten. Wenn Sie in der Schule wären, würden Sie den Unterricht nicht auslassen, nur weil Sie Ihre Hausaufgaben nicht machen konnten.