Die Funktionaloptometrie (Behavioral Optometry), auch Verhaltensoptometrie genannt beschäftigt sich mit Funktionsstörungen, die bei gesunden Augen aufgrund eines gestörten Sehverhaltens oder einer fehlerhaften Sehentwicklung auftreten und zu Problemen der visuellen Wahrnehmung führen. Die visuelle Wahrnehmung entwickelt sich vom Säugling bis zum Greis – es gibt kein Ende der Entwicklung, denn Sehen ist nicht nur Physik oder Physiologie.
Die Funktionaloptometrie nahm bereits in den 1920er-Jahren ihre Anfänge. Der amerikanische Optometrist Dr. A. M. Skeffington machte die für das damalige Verständnis des Sehens bahnbrechende Entdeckung, dass das Bild nicht auf der Netzhaut, sondern im Gehirn entsteht.

Das 4-Kreis-Modell nach Dr. A. M. Skeffington
Je besser jede einzelne dieser vier Fähigkeiten entwickelt ist, desto optimierter und präziser funktioniert unser Sehen als Ganzes.
Visuelle Probleme lassen sich nicht immer durch ein Eingreifen an einer einzigen Stelle lösen, wie z. B. durch die Verordnung einer Brille, sondern es ist notwenig vielmehr das gesamte Sehverhalten zu verändern.
Ihr visuelles System vermittelt Ihnen unendlich viele Informationen über Ihre Umwelt. Wenn Sie etwas betrachten, dann „sehen“ Sie nicht nur mit Ihren Augen, Sie inspizieren, unterscheiden, identifizieren und interpretieren – all dies ist ein Teil Ihres visuellen Systems.
Die Optometrie befasst sich somit auch mit der visuellen Vorsorge. Sie beugt Fehlentwicklungen und visuellen Problemen vor, begrenzt ihre Auswirkungen und kann sie durch Linsen oder visuelle Trainingstechniken (Visualtraining) einschränken oder verhindern.
Die Augen können das von den Gegenständen reflektierte Licht richtig aufnehmen, wenn sie richtig ausgerichtet sind. Zusätzlich muss ihre Einstellung der Entfernung angepasst sein:

Der Sehvorgang in vereinfachter Darstellung (© OEPF)
Optometrisches Visualtraining ist systematisch aufgebaut, d.h. es richtet sich genau nach der Entwicklungsreihenfolge des Sehens. Dadurch ist sichergestellt, dass nicht das Hintere vor dem Vorderen oder nur einzelne Prozesse des Sehens geübt werden. Der Erfolg von Visualtraining beruht zu 95% auf der Beachtung der genauen Systematik.
Die Hirnforschung findet immer mehr Hinweise darauf, wie komplex und vernetzt der Sehvorgang ist. Früher nahm man an, dass es nur ein örtlich begrenztes Sehzentrum im Gehirn gibt. Zwischenzeitlich ist bekannt, dass es mindestens 3 bis 4 Bereiche gibt, die gleichzeitig mit den Sehfunktionen zu tun haben. Diese Bereiche arbeiten auf sehr komplizierte Weise miteinander.
Dr. Skeffington erarbeitete bereits in den 20er Jahren ein Modell des Sehvorgangs mit Hilfe von 4 ineinander greifenden Kreisen. Nur wenn alle Kreise den gleichen Anteil (Leistungsfähigkeit) am Sehen haben, entsteht die Vision. Mit Vision ist das eigentliche Sehen gemeint, also das gesamte Bild im Kopf.
Bei der Visuellen Analyse messen wir die Fähigkeiten der einzelnen Kreise. Die mangelnden Fähigkeiten werden dann gezielt trainiert und miteinander verknüpft. Diese Trainingsprozesse funktionieren altersunabhängig. Nur die Schnelligkeit der Änderung ist altersabhängig (je jünger, desto schneller).
Ja, wenn die Kurzsichtigkeit aufgrund einer sich verändernden Augenlinse entsteht. Bei jedem Menschen besteht eine Fehlsichtigkeit aus einem funktionellen Anteil und einem strukturellen Anteil. Der funktionelle Anteil ist derjenige, der Schwankungen unterworfen ist. Dieser Teil ist durch visuelles Training sehr gut beeinflussbar.
Der strukturelle Anteil ist z. B. die Baulänge eines Auges. Hier hat die Funktion bereits das Organ verändert, dann besteht fast keine Möglichkeit, Änderungen an der Struktur durchzuführen. Die Verteilung der Anteile lässt sich durch die Visuelle Analyse feststellen.
Nein, aber sie lässt sich deutlich hinauszögern und dauerhaft auf einem niedrigeren Stand halten als üblich. Aufgrund des Trainings bleiben die Stoffwechselfunktionen besser intakt und somit bleibt die Augenlinse flexibler. Dadurch ist eine Lesebrille erst um die 50 Jahre statt der üblichen 45 Jahre zu erwarten.
Der zweite Vorteil der flexibleren Augenlinse: Die Stärke der Lesebrille ist niedriger als üblich, dadurch ist die Abhängigkeit von dieser Brille geringer. Bei einer Gleitsichtbrille hat das zusätzlich den Vorteil, dass die Randverzerrungen deutlich geringer sind. Die Brillen sind dann wesentlich komfortabler.
In solchen Fällen ist meist eine mangelnde Flexibilität der Augen die Ursache. Oft ist die Relation zwischen Scharfeinstellung und Augenbewegung im Ungleichgewicht. Dann werden vom Sehzentrum Höchstleistungen zum Ausgleich dieses Fehlers aufgebracht. Die Quittung sind die beschriebenen Probleme.
Die Ursache ist oft eine schwache oder überlastete Naheinstellfähigkeit. Sie wird meistens von einer Schwäche der Augen-Einwärtsbewegung begleitet. Mit Hilfe einer optimal korrigierten Fernbrille und Visualtraining lässt sich Abhilfe schaffen. Hier wird die Flexibilität der Einzelaugen stufenweise erhöht, dann das Zusammenspiel abgestimmt und zum Schluss die neu erworbenen Fähigkeiten im Sehzentrum integriert.
Eine Ursache kann hier eine Schwäche der Einwärtsbewegung (Konvergenz) in Kombination mit einer abweichenden Ruhelage des Augenpaares sein. Die Ruhelage der Augachsen ist normalerweise die Parallelstellung in die Ferne. Weichen die Achsen z. B. nach außen und in der Höhe leicht ab, so sind die Ausgleichs-möglichkeiten in der Ferne gut (Wochenende), aber in der Nähe sehr schwer(Arbeitstage). Das Sehen in der Nähe wird oft von Kopfschmerzen und gelegentlichen Doppelbildern begleitet und kann in einzelnen Fällen auch zu Übelkeit führen.
Bei einer Prismenbrille ändern sich die Prismen öfters oder sollen reduziert werden. Die Winkelfehlsichtigkeit ist nach Ansicht vieler Funktional-Optometristen eine Fehlsteuerung der Bewegungsmuskulatur eines Augenpaares durch das Sehzentrum. Durch visuelles Training können die Prozesse im Sehzentrum „umprogrammiert“ und dadurch normalisiert werden. Einer Prismenreduzierung kommt zu Gute, dass die Augenmuskulatur ca. 200% überdimensioniert ist und somit große Reserven hat. Mit Hilfe von Visualtraining ist eine Prismenreduktion oder Stabilisierung sehr gut möglich (siehe auch Menüpunkt „Winkelfehlsichtigkeit“).
Einige Augenerkrankungen treten in Verbindung mit Krankheitsprozessen oder Medikamenten auf, aber bei Billy haben wir dies ausgeschlossen. Einige visuelle Probleme sind genetisch bedingt, andere sind entwicklungsbedingt und andere sind stressinduziert. Die meisten sind eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen.
Visualtraining ist ein spezielles Verfahren. Nicht alle Optometristen sind darin ausgebildet. Klienten werden in der Regel von anderen Fachleuten, die mit Visualtraining vertraut sind, oder von anderen Patienten, die mit Menschen in Kontakt treten, die ähnliche Probleme haben, an unsere Praxis verwiesen.
Leider sind Augenärzte normalerweise nicht in Visualtraining ausgebildet. Ich würde keine Meinung zu einem chirurgischen Eingriff wagen, an dem ich nicht geschult wurde, und ich glaube nicht, dass ein Chirurg eine Meinung zu einem Thema abgeben sollte, in dem er oder sie nicht ausgebildet ist. Fortgeschrittene Ophthalmologen verstehen die potenzielle Rolle des Visualtrainings, und wir würden uns freuen, Ihnen eine Liste von Ophthalmologen in unserer Region zu geben, mit denen wir interagiert haben.
Im Visualtraining verwenden wir verschiedene Linsen und Prismen, um Ihnen zu zeigen, wie Sie Ihr Sehen effizienter nutzen können. Wir verwenden Linsen, die Ihnen dabei helfen, genauer hinzusehen, gefolgt von Linsen, die Ihren Fokus entspannen, sodass Sie mehr Flexibilität entwickeln. Dasselbe Konzept funktioniert mit Prismen, die beeinflussen, wo Sie hinschauen. Einige davon sind eine Erweiterung dessen, was ich von Ihnen verlangt habe, um mir zu sagen, wann Dinge verschwimmen oder doppelt erscheinen und wann sie wieder eins werden. Im Visualtraining lernen Sie, diese Dinge besser zu steuern. Wir verwenden auch speziell entwickelte Computerprogramme und polarisierte Brillen, die fast wie Virtual Reality wirken, um herauszufinden, wie die beiden Augen am effektivsten zusammenarbeiten. Für jüngere Kinder gestalten wir die Übungen spielerisch. Zusätzlich geben wir in der Regel eine Heimübung mit, um das Gelernte zu festigen. Bei visuellen Wahrnehmungsverzögerungen schaffen wir die Grundlagen, um fortgeschrittene Fähigkeiten wie „visual closure“ zu ermöglichen. Mit verbesserten visuellen Fähigkeiten ist ein Kind besser darauf vorbereitet, von schulischen Methoden zu profitieren.
Sie benötigen eine professionelle Anleitung, um zu wissen, welche Aktivitäten in welcher Reihenfolge durchzuführen sind. Außerdem muss man in der Lage sein, bestimmte Techniken anzupassen, wenn sie nicht effizient oder effektiv funktionieren. Visualtraining ausschließlich zu Hause zu machen, ist vergleichbar mit dem Besuch eines Fitnessstudios, ohne zu wissen, welche Geräte man benutzen soll oder wie viele Wiederholungen angemessen sind. Sobald ein Fachmann Sie anleitet, ist es sinnvoll, das Gelernte durch Übungen zu Hause zu verstärken.
Da es sich um menschliche Funktionen handelt, kann kein absoluter Erfolg garantiert werden. Ich kann Ihnen nur sagen, dass Sie aus Ihrem Visualtraining das herausholen werden, was Sie hineinstecken. Klienten, die motiviert sind und ihre Praxisbesuche regelmäßig wahrnehmen, erzielen in der Regel sehr gute Ergebnisse.
Viele Therapieprogramme können in 20 bis 40 Praxissitzungen abgeschlossen werden. In der Regel finden wöchentliche (ca. 1 Stunde) oder 14-tägige Sitzungen statt. Ich überprüfe Sie nach acht bis zehn Sitzungen (je nach Fall), um den Fortschritt zu dokumentieren und weitere Besuche zu planen. Das Heimtraining verstärkt das Gelernte aus der Praxis. Auch wenn Sie das Heimtraining einmal nicht schaffen, sollten Sie Ihre Termine in der Praxis nicht auslassen – genauso wie Sie in der Schule nicht einfach dem Unterricht fernbleiben würden, nur weil Sie Ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.
Es gibt verschiedene Messmethoden und verschiedene Lehrmeinungen zum Thema Binokularsehen (Sehen mit beiden Augen) – sowohl zwischen Ophtalmologen (Augenärtze) und Optometristen (Augenoptiker), als auch Optometristen untereinander. Je nach Ausbildung und Schule treten Prägungen bei den Behandlungen auf.
Ich habe von 1977 bis 1980 die Berliner Schule (SFOF), heute Beuth Hochschule Augenoptik/Optometrie, Berlin, besucht und Herrn Hans-Joachim Haase (Erfinder der MKH-Methode) persönlich als Dozent genossen. Hier habe ich viel über das binokluare Sehen und deren Korrektion gelernt. Diese wichtige Station war lange prägend in meiner beruflichen, optometrischen Welt.
Im Jahre 1998 habe ich dann die Welt der Funktionaloptometrie durch Stefan Collier kennen und schätzen gelernt. Sie eröffnete mir viele neue Perspektiven, um die Problematik des binokulare Sehens besser zu begreifen.
Ich wende deshalb beide Methoden in meiner Praxis an, da man unterscheiden muss ob man einen Klienten mit strukturellen Problemen vor sich hat oder ob diese Probleme mit funktionellen Methoden angehen und verbessern kann. Somit unterscheide ich immer ob eine Prismenbrille oder ob ein optometrisches Visualtraining die beste Möglichkeit ist, dem Klienten zu helfen.
In einigen Fällen kann man zuerst eine prismatische Korrektion vorziehen, damit man dem Klienten eine möglichst schnelle Hilfe in die Hand geben kann, um dann ein Visualtraining die Flexibilität des Sehens aufbauen und verbessern kann. Somit ist jeder Fall ein Indivudueller und muss auch so behandelt werden!
Die Winkelfehlsichtigkeit ist ein Sehfehler, der bei den meisten Menschen vorhanden ist und mit sogenannten Prismenbrillen korrigiert werden kann.
Dieser Sehfehler kann unter anderem …
Wenn bei Ihnen eine der hier genannten Auffälligkeiten besteht und eine Erkrankung als Ursache nicht gefunden wurde, ist eine Überprüfung auf Winkelfehlsichtigkeit zu empfehlen. Dies gilt auch dann, wenn Sie das Empfinden haben, ausreichend scharf zu sehen und unabhängig davon, ob Sie bereits eine Brille benutzen oder nicht.
Wenn das beidäugige Sehen perfekt funktionieren soll, dann müssen sich beide Augen genau auf das jeweils angeblickte Objekt ausrichten.
Es gibt Augenpaare, bei denen dieser Vorgang problemlos abläuft, weil sie sich nach dieser genauen Ausrichtung in der anstrengungsärmsten Augenstellung befinden. Winkelfehlsichtige Augen befinden sich bei genauer Ausrichtung jedoch nicht in der anstrengungsärmsten Augenstellung. Für sie ist das ‘richtige’ Sehen anstrengend. Das Sehen bei Winkelfehlsichtigkeit stellt stets einen Kompromiss dar. Einerseits erfordert nämlich jede Abweichung von der anstrengungsärmsten Augenstellung eine besondere Anstrengung der Augenbewegungsmuskeln, andererseits führt jede Abweichung von der exakten Ausrichtung zu schlechterem Sehen bis hin zu Doppeltsehen.
Winkelfehlsichtigkeit kann mit der seit mehr als 40 Jahren sehr erfolgreich durchgeführten Mess- und Korrektionsmethodik nach H.-J. Haase (MKH) von darin ausgebildeten Augenoptikern und Augenärzten gemessen werden. Bei dieser Messung erkennt der Untersucher die anstrengungsärmste Augenstellung und ermittelt genaue Messwerte. Diese bilden die Basis für die Anfertigung einer Prismenbrille.
Prismenbrillen entlasten winkelfehlsichtige Menschen von dem für die Augenmuskeln anstrengenden ‘Ausrichten’ der Augen. Das Augenpaar kann dann seine anstrengungsärmste Stellung einnehmen und die Prismenbrille bewirkt, dass die Bilder dennoch auf die ‘richtigen’ Stellen in beiden Augen treffen, welche die höchste Wahrnehmungsqualität liefern. Winkelfehlsichtigkeit ist keine Krankheit, sondern ein Sehfehler. Prismenbrillen ändern nichts am Bestehen dieses Sehfehlers. Sie gleichen ihn aus – jedoch nur solange sie getragen werden. Dies ist hier genauso wie bei jedem anderen Sehfehler, beispielsweise bei Kurzsichtigkeit.
Bei den selten vorkommenden großen Winkelfehlsichtigkeiten scheinen die Augen hinter der Prismenbrille tatsächlich zu ‘schielen’. Dies ist jedoch kein echtes Schielen, sondern nur das Sichtbarwerden der großen Winkelfehlsichtigkeit, das nach Absetzen der Prismenbrille wieder verschwindet.
Große Winkelfehlsichtigkeiten können aber – nicht zuletzt wegen der Dicke und des Gewichtes der Prismengläser – nach ausreichender Tragedauer der Prismenbrille operativ beseitigt werden.