Funktionaloptometrie
Behavioral Optometry

Zum Sehen braucht es mehr als nur zwei Augen

Die Funktionaloptometrie (Behavioral Optometry), auch Verhaltensoptometrie genannt beschäftigt sich mit Funktionsstörungen, die bei gesunden Augen aufgrund eines gestörten Sehverhaltens oder einer fehlerhaften Sehentwicklung auftreten und zu Problemen der visuellen Wahrnehmung führen. Die visuelle Wahrnehmung entwickelt sich vom Säugling bis zum Greis – es gibt kein Ende der Entwicklung, denn Sehen ist nicht nur Physik oder Physiologie.

Die Funktionaloptometrie nahm bereits in den 1920er-Jahren ihre Anfänge. Der amerikanische Optometrist Dr. A. M. Skeffington machte die für das damalige Verständnis des Sehens bahnbrechende Entdeckung, dass das Bild nicht auf der Netzhaut, sondern im Gehirn entsteht.

Das 4-Kreis-Modell nach Dr. A. M. Skeffington

  1. Die Motorik der Augen – Gleichgewicht und Augenbewegungen, Folgebewegungen und Blicksprünge sind motorische Basis z. B. für das Lernen von Lesen und Schreiben.

  2. Zentrierungsfähigkeit der Augen – Die Einstellung der Augen zueinander, um ein Objekt einfach zu sehen.

  3. Akkomodationsfähigkeit der Augen – Die Scharfstellung der Augen auf einen bestimmten Abstand, z. B. beim Greifen oder Lesen.

  4. Wahrnehmungsfähigkeit des visuellen Systems – Sich von dem Geschehenen ein Bild zu machen.

Je besser jede einzelne dieser vier Fähigkeiten entwickelt ist, desto optimierter und präziser funktioniert unser Sehen als Ganzes.

Sehen ist in erster Linie Erfahrung

Visuelle Probleme lassen sich nicht immer durch ein Eingreifen an einer einzigen Stelle lösen, wie z. B. durch die Verordnung einer Brille, sondern es ist notwenig vielmehr das gesamte Sehverhalten zu verändern.
Ihr visuelles System vermittelt Ihnen unendlich viele Informationen über Ihre Umwelt. Wenn Sie etwas betrachten, dann „sehen“ Sie nicht nur mit Ihren Augen, Sie inspizieren, unterscheiden, identifizieren und interpretieren – all dies ist ein Teil Ihres visuellen Systems.

Die Optometrie befasst sich somit auch mit der visuellen Vorsorge. Sie beugt Fehlentwicklungen und visuellen Problemen vor, begrenzt ihre Auswirkungen und kann sie durch Linsen oder visuelle Trainingstechniken (Visualtraining) einschränken oder verhindern.

„Die visuelle Wahrnehmung ist eine Entwicklung vom Säugling bis zum Greis.“

Der Sehvorgang im „Erdhörnchen-Modell“

Die Augen können das von den Gegenständen reflektierte Licht richtig aufnehmen, wenn sie richtig ausgerichtet sind. Zusätzlich muss ihre Einstellung der Entfernung angepasst sein: 

  • Die roten Erdhörnchen steuern die Bewegung der Augen, um sie auf den Gegenstand zu richten (Vergenz).

  • Die blauen Erdhörnchen regeln die Einstellung auf die Entfernung (Akkommodation).

  • Beide Aktionen müssen gleichzeitig und so mühelos wie möglich erfolgen, um schnelle und fortwährende Anpassungen zu ermöglichen.

  • Das Zusammenspiel ist komplex und empfindlich, da es von zwei unterschiedlich innervierten Muskelgruppen abhängt, die wiederum von zwei verschiedenen Regionen des zentralen Nervensystems kontrolliert werden.

  • Außerdem können Sie der Abbildung entnehmen, dass zwischen beiden Augen keinerlei Verbindung besteht – ihre Zusammenarbeit und die Steuerung erfolgt also nur durch das Gehirn.

  • Dieser Sehvorgang gleicht einer zweispurigen Straße. Auf der einen Spur gelangen die Bilder ins Gehirn und werden dort überprüft. Auf der zweiten Spur werden sie zurückgeschickt und somit das Sehen ermöglicht.

Der Sehvorgang in vereinfachter Darstellung (© OEPF)

 

Fragen & Antworten

Auf welchen Grundlagen basiert optometrisches Visualtraining?

Optometrisches Visualtraining ist systematisch aufgebaut, d.h. es richtet sich genau nach der Entwicklungsreihenfolge des Sehens. Dadurch ist sichergestellt, dass nicht das Hintere vor dem Vorderen oder nur einzelne Prozesse des Sehens geübt werden. Der Erfolg von Visualtraining beruht zu 95% auf der Beachtung der genauen Systematik.
Die Hirnforschung findet immer mehr Hinweise darauf, wie komplex und vernetzt der Sehvorgang ist. Früher nahm man an, dass es nur ein örtlich begrenztes Sehzentrum im Gehirn gibt. Zwischenzeitlich ist bekannt, dass es mindestens 3 bis 4 Bereiche gibt, die gleichzeitig mit den Sehfunktionen zu tun haben. Diese Bereiche arbeiten auf sehr komplizierte Weise miteinander.
Dr. Skeffington erarbeitete bereits in den 20er Jahren ein Modell des Sehvorgangs mit Hilfe von 4 ineinander greifenden Kreisen. Nur wenn alle Kreise den gleichen Anteil (Leistungsfähigkeit) am Sehen haben, entsteht die Vision. Mit Vision ist das eigentliche Sehen gemeint, also das gesamte Bild im Kopf.
Bei der Visuellen Analyse messen wir die Fähigkeiten der einzelnen Kreise. Die mangelnden Fähigkeiten werden dann gezielt trainiert und miteinander verknüpft. Diese Trainingsprozesse funktionieren altersunabhängig. Nur die Schnelligkeit der Änderung ist altersabhängig (je jünger, desto schneller).

Lässt sich eine Kurzsichtigkeit dauerhaft mindern?

Ja, wenn die Kurzsichtigkeit aufgrund einer sich verändernden Augenlinse entsteht. Bei jedem Menschen besteht eine Fehlsichtigkeit aus einem funktionellen Anteil und einem strukturellen Anteil. Der funktionelle Anteil ist derjenige, der Schwankungen unterworfen ist. Dieser Teil ist durch visuelles Training sehr gut beeinflussbar.
Der strukturelle Anteil ist z. B. die Baulänge eines Auges. Hier hat die Funktion bereits das Organ verändert, dann besteht fast keine Möglichkeit, Änderungen an der Struktur durchzuführen. Die Verteilung der Anteile lässt sich durch die Visuelle Analyse feststellen.

Lässt sich die Altersichtigkeit wegtrainieren?

Nein, aber sie lässt sich deutlich hinauszögern und dauerhaft auf einem niedrigeren Stand halten als üblich. Aufgrund des Trainings bleiben die Stoffwechselfunktionen besser intakt und somit bleibt die Augenlinse flexibler. Dadurch ist eine Lesebrille erst um die 50 Jahre statt der üblichen 45 Jahre zu erwarten.
Der zweite Vorteil der flexibleren Augenlinse: Die Stärke der Lesebrille ist niedriger als üblich, dadurch ist die Abhängigkeit von dieser Brille geringer. Bei einer Gleitsichtbrille hat das zusätzlich den Vorteil, dass die Randverzerrungen deutlich geringer sind. Die Brillen sind dann wesentlich komfortabler.

„Sie sehen, viele Sehschwierigkeiten lassen sich mit Hilfe von visuellem Training verbessern. Ganz wichtig bei Sehproblemen ist allerdings, dass keine Augenkrankheiten daran beteiligt sind. Mein Ratschlag: Lassen Sie sich im Zweifelsfall von einem Ophthalmologen (Augenarzt) untersuchen.“
— Josef Thiel
 

Folgende Fragen werden immer wieder von meinen Klienten gestellt.

 

Nach 2 Stunden PC-Arbeit habe ich Augenbeschwerden oder Kopfschmerzen – Augen sind untersucht, Brille vorhanden, aber keine wesentliche Verbesserung. Was soll ich tun?

In solchen Fällen ist meist eine mangelnde Flexibilität der Augen die Ursache. Oft ist die Relation zwischen Scharfeinstellung und Augenbewegung im Ungleichgewicht. Dann werden vom Sehzentrum Höchstleistungen zum Ausgleich dieses Fehlers aufgebracht. Die Quittung sind die beschriebenen Probleme.

 

Mir wurde mit unter 40 Jahren eine Mehrstärkenbrille (Gleitsichtbrille) empfohlen. Ist das notwendig?

Die Ursache ist oft eine schwache oder überlastete Naheinstellfähigkeit. Sie wird meistens von einer Schwäche der Augen-Einwärtsbewegung begleitet. Mit Hilfe einer optimal korrigierten Fernbrille und Visualtraining lässt sich Abhilfe schaffen. Hier wird die Flexibilität der Einzelaugen stufenweise erhöht, dann das Zusammenspiel abgestimmt und zum Schluss die neu erworbenen Fähigkeiten im Sehzentrum integriert. 

Meine Büroarbeit strengt mich die Woche über zusehends an – am Wochenende habe ich keine Probleme. Was kann ich tun?

Eine Ursache kann hier eine Schwäche der Einwärtsbewegung (Konvergenz) in Kombination mit einer abweichenden Ruhelage des Augenpaares sein. Die Ruhelage der Augachsen ist normalerweise die Parallelstellung in die Ferne.   Weichen die Achsen z. B. nach außen und in der Höhe leicht ab, so sind die Ausgleichs-möglichkeiten in der Ferne gut (Wochenende), aber in der Nähe sehr schwer(Arbeitstage). Das Sehen in der Nähe wird oft von Kopfschmerzen und gelegentlichen Doppelbildern begleitet und kann in einzelnen Fällen auch zu Übelkeit führen.

Meine Winkelfehlsichtigkeit ist mit einer Brille korrigiert. Muss ich das kontrollieren lassen?

Bei einer Prismenbrille ändern sich die Prismen öfters oder sollen reduziert werden. Die Winkelfehlsichtigkeit ist nach Ansicht vieler Funktional-Optometristen eine Fehlsteuerung der Bewegungsmuskulatur eines Augenpaares durch das Sehzentrum. Durch visuelles Training können die Prozesse im Sehzentrum „umprogrammiert“ und dadurch normalisiert werden. Einer Prismenreduzierung kommt zu Gute, dass die Augenmuskulatur ca. 200% überdimensioniert ist und somit große Reserven hat. Mit Hilfe von Visualtraining ist eine Prismenreduktion oder Stabilisierung sehr gut möglich (siehe auch  Menüpunkt „Winkelfehlsichtigkeit“).

Was sind die Ursachen für mein visuelles Problem?

Einige Augenerkrankungen treten in Verbindung mit Krankheitsprozessen oder Medikamenten auf, aber bei Billy haben wir dies ausgeschlossen. Einige visuelle Probleme sind genetisch bedingt, andere sind entwicklungsbedingt und andere sind stressinduziert. Die meisten sind eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen.
 

Warum habe ich noch nie von einem Visualtraining gehört?

Visualtraining ist ein speziales Verfahren. Nicht alle Optometristen sind darin ausgebildet. Klienten werden in der Regel von anderen Fachleuten, die mit VT vertraut sind, oder von anderen Patienten, die mit Menschen in Kontakt treten, die ähnliche Probleme haben, an unserer Praxis verwiesen.

 

Warum hat mein Augenarzt gesagt, dass ein Visualtraining nicht helfen kann?

Leider sind Augenärzte normalerweise nicht in VT ausgebildet. Ich würde keine Meinung zu einem chirurgischen Eingriff wagen, an dem ich nicht geschult wurde, und ich glaube nicht, dass ein Chirurg eine Meinung zu einem Thema abgeben sollte, in dem er oder sie nicht ausgebildet ist. Fortgeschrittene Ophthalmologen verstehen die potentielle Rolle in VT, und wir würden uns freuen, Ihnen eine Liste von Ophthalmologen in unserer Region zu geben, mit denen wir interagiert haben.

 

Was beinhaltet Visualtraining? Was tut es?

Im Visualtraining verwenden wir verschiedene Linsen und Prismen, um Ihnen zu zeigen, wie Sie Ihre Sehen effizienter nutzen können. Wir verwenden Linsen, die Ihnen dabei helfen, genauer hinzusehen, gefolgt von Linsen, die Ihren Fokus entspannen, sodass Sie mehr Flexibilität entwickeln. Das gleiche Konzept funktioniert mit Prismen, die beeinflussen, wo Sie hinschauen. Einige davon sind eine Erweiterung dessen, was ich von Ihnen verlangt habe, um mir zu sagen, wann Dinge verschwimmen oder doppelt erscheinen und wann sie wieder eins werden. Im Visualtraining lernen Sie, diese Dinge besser zu steuern. Wir werden auch einige speziell entwickelte Computerprogramme und polarisierte Brillen verwenden, die fast wie Virtual Reality aussehen, um herauszufinden, wie die beiden Augen am effektivsten verwendet werden können. Für jüngere Kinder versuchen wir, es lustig zu machen. Darüber hinaus geben wir, in der Regel, eine Aktivität für die Heimtherapie mit, um das zu verbessern, was Sie in unserer Praxis lernen. Bei visuellen Wahrnehmungsverzögerungen legen wir die Bedingungen so fest, dass die Grundfertigkeiten beherrscht werden können, wodurch die Entwicklung fortgeschrittener Bereiche, wie z. B. der "visual closure" usw., ermöglicht wird. Mit verbesserten visuellen Fähigkeiten ist ein Kind besser darauf vorbereitet, von den pädagogische Methoden zu profitieren.

 

Können wir das nicht einfach zu Hause machen?

Sie benötigen eine professionelle Anleitung, um zu wissen, welche Aktivitäten in welcher Reihenfolge durchzuführen sind. Sie müssen auch in der Lage sein, bestimmte Techniken zu modifizieren, wenn sie nicht effizient oder effektiv durchgeführt werden können. Wenn Sie VT ausschließlich zu Hause ausführen möchten, ist wie wenn Sie in ein Fitnesscenter gehen und und nicht wissen, welches Gerät Sie zuerst verwenden sollten und wieviele Einheiten Sie anfänglich tun müssen. Wann die Übungseinheiten zu erhöhen sind und in welcher Reihenfolge die Aktivitäten ausgeführt werden sollen und so weiter. Sobald ein Fachmann Sie führt, macht es Sinn, das Gelernte zu verstärken.

 

Gibt es eine Garantie dafür, dass das Visualtraining funktioniert?

Da es sich um menschliche Funktionen handelt, kann kein absoluter Erfolg garantiert werden. Ich kann Ihnen nur sagen, dass Sie aus Ihrem Visualtraining herausbekommen werden, was Sie hineinlegen. Die Klienten, die motiviert sind und ihre Praxisbesuche einhalten, sind in der Regel sehr gut.

Wie lange wird es dauern?

Viele Therapieprogramme können in 20 bis 40 Praxissitzungen durchgeführt werden. In der Regel werden wöchentliche (ca. 1 Stunde) oder 14 tägige Sitzungen durchgeführt. Ich überprüfe Sie nach acht bis zehn Sitzungen (je nach Fall), um den Fortschritt zu dokumentieren und zukünftige Besuche zu planen. Das Heimtraining bietet eine Verstärkung des Erlernten aus der Praxis. Wenn Sie jedoch nicht dazu kommen, sollten Sie Ihre Praxistermine trotzdem einhalten. Wenn Sie in der Schule wären, würden Sie den Unterricht nicht auslassen, nur weil Sie Ihre Hausaufgaben nicht machen konnten.

Winkelfehlsichtigkeit

Prismenbrille oder Visualtraining?

Es gibt verschiedene Messmethoden und verschiedene Lehrmeinungen zum Thema Binokularsehen (Sehen mit beiden Augen) – sowohl zwischen Ophtalmologen (Augenärtze) und Optometristen (Augenoptiker), als auch Optometristen untereinander. Je nach Ausbildung und Schule treten Prägungen bei den Behandlungen auf.

Ich habe von 1977 bis 1980 die Berliner Schule (SFOF), heute Beuth Hochschule Augenoptik/Optometrie, Berlin, besucht und  Herrn Hans-Joachim Haase (Erfinder der MKH-Methode) persönlich als Dozent genossen. Hier habe ich viel über das binokluare Sehen und deren Korrektion gelernt. Diese wichtige Station war lange prägend in meiner beruflichen, optometrischen Welt.
Im Jahre 1998 habe ich dann die Welt der Funktionaloptometrie durch Stefan Collier kennen und schätzen gelernt. Sie eröffnete mir viele neue Perspektiven, um die Problematik des binokulare Sehens besser zu begreifen.

Ich wende deshalb beide Methoden in meiner Praxis an, da man unterscheiden muss ob man einen Klienten mit strukturellen Problemen vor sich hat oder ob diese Probleme mit funktionellen Methoden angehen und verbessern kann. Somit unterscheide ich immer ob eine Prismenbrille oder ob ein optometrisches Visualtraining die beste Möglichkeit ist, dem Klienten zu helfen.
In einigen Fällen kann man zuerst eine prismatische Korrektion vorziehen, damit man dem Klienten eine möglichst schnelle Hilfe in die Hand geben kann, um dann ein Visualtraining die Flexibilität des Sehens aufbauen und verbessern kann. Somit ist jeder Fall ein Indivudueller und muss auch so behandelt werden!

 
„Winkelfehlsichtige Augen befinden sich bei genauer Ausrichtung nicht in der anstrengungsärmsten Augenstellung. Für sie ist das ’richtige‘ Sehen anstrengend.“

Was ist Winkelfehlsichtigkeit?

Die Winkelfehlsichtigkeit ist ein Sehfehler, der bei den meisten Menschen vorhanden ist und mit sogenannten Prismenbrillen korrigiert werden kann.

Dieser Sehfehler kann unter anderem …

  • unbefriedigendes oder schlechtes Sehen verursachen,

  • zu anstrengendem oder ermüdendem Sehen führen, insbesondere bei Bildschirmarbeit und längerem Lesen,

  • zu Augenbrennen, Augentränen, roten Augen führen,

  • Augenschmerzen, Kopfschmerzen, Migräne auslösen,

  • Verspannungen im Hals-, Nacken- und Schulterbereich verstärken,

  • störende Lichtempfindlichkeit verursachen.

Wenn bei Ihnen eine der hier genannten Auffälligkeiten besteht und eine Erkrankung als Ursache nicht gefunden wurde, ist eine Überprüfung auf Winkelfehlsichtigkeit zu empfehlen. Dies gilt auch dann, wenn Sie das Empfinden haben, ausreichend scharf zu sehen und unabhängig davon, ob Sie bereits eine Brille benutzen oder nicht.

 

„In den meisten Fällen können durch Winkelfehlsichtigkeit bedingte Beeinträchtigungen durch die richtige Prismenbrille vermindert oder sogar beseitigt werden.“

Wenn das beidäugige Sehen perfekt funktionieren soll, dann müssen sich beide Augen genau auf das jeweils angeblickte Objekt ausrichten.
Es gibt Augenpaare, bei denen dieser Vorgang problemlos abläuft, weil sie sich nach dieser genauen Ausrichtung in der anstrengungsärmsten Augenstellung befinden. Winkelfehlsichtige Augen befinden sich bei genauer Ausrichtung jedoch nicht in der anstrengungsärmsten Augenstellung. Für sie ist das 'richtige' Sehen anstrengend. Das Sehen bei Winkelfehlsichtigkeit stellt stets einen Kompromiss dar. Einerseits erfordert nämlich jede Abweichung von der anstrengungsärmsten Augenstellung eine besondere Anstrengung der Augenbewegungsmuskeln, andererseits führt jede Abweichung von der exakten Ausrichtung zu schlechterem Sehen bis hin zu Doppeltsehen.

Wie wird Winkelfehlsichtigkeit festgestellt?
Winkelfehlsichtigkeit kann mit der seit mehr als 40 Jahren sehr erfolgreich durchgeführten Mess- und Korrektionsmethodik nach H.-J. Haase (MKH) von darin ausgebildeten Augenoptikern und Augenärzten gemessen werden. Bei dieser Messung erkennt der Untersucher die anstrengungsärmste Augenstellung und ermittelt genaue Messwerte. Diese bilden die Basis für die Anfertigung einer Prismenbrille.

Was bewirken Prismenbrillen?
Prismenbrillen entlasten winkelfehlsichtige Menschen von dem für die Augenmuskeln anstrengenden 'Ausrichten' der Augen. Das Augenpaar kann dann seine anstrengungsärmste Stellung einnehmen und die Prismenbrille bewirkt, dass die Bilder dennoch auf die 'richtigen' Stellen in beiden Augen treffen, welche die höchste Wahrnehmungsqualität liefern. Winkelfehlsichtigkeit ist keine Krankheit, sondern ein Sehfehler. Prismenbrillen ändern nichts am Bestehen dieses Sehfehlers. Sie gleichen ihn aus – jedoch nur solange sie getragen werden. Dies ist hier genauso wie bei jedem anderen Sehfehler, beispielsweise bei Kurzsichtigkeit.

Schielt man mit Prismenbrillen?
Bei den selten vorkommenden großen Winkelfehlsichtigkeiten scheinen die Augen hinter der Prismenbrille tatsächlich zu 'schielen'. Dies ist jedoch kein echtes Schielen, sondern nur das Sichtbarwerden der großen Winkelfehlsichtigkeit, das nach Absetzen der Prismenbrille wieder verschwindet.
Große Winkelfehlsichtigkeiten können aber – nicht zuletzt wegen der Dicke und des Gewichtes der Prismengläser – nach ausreichender Tragedauer der Prismenbrille operativ beseitigt werden.

Erfordert jede Winkelfehlsichtigkeit eine Prismenbrille?

  • Ohne Prismenbrille wird das Gehirn versuchen, ob das Sehen auch ohne perfektes 'Ausrichten' der Augen funktioniert. Es funktioniert tatsächlich bis zu einer gewissen Abweichung von der exakten Augenstellung, allerdings nur mit verminderter Qualität.

  • Da die meisten Menschen winkelfehlsichtig sind, aber keine Prismenbrille tragen, hat ihr beidäugiges Sehen meist nicht die bestmögliche Qualität.

  • Es ist möglich, dass trotz vorhandener Winkelfehlsichtigkeit im täglichen Leben subjektiv keine Beeinträchtigungen empfunden werden.

Eine Prismenbrille ist dann nicht erforderlich.

  • Die Entscheidung über die Durchführung einer prismatischen Korrektion liegt aber ohnehin in jedem Fall beim Winkelfehlsichtigen selbst.

  • Verantwortungsbewusste Anwender der MKH werden dazu stets individuell und umfassend aufklären.